Ist schwerer als es aussieht . . . Depression, ein oft unterschätztes Thema

Ich habe schon lange nichts mehr geschrieben. Das lag nicht zu letzt daran, dass ich auch wirklich keine Zeit hatte. Die Achterbahn des Lebens zieht wohl an niemanden von uns vorrüber.
Ich möchte nun aber wieder ein wenig einsteigen und das mit einem ganz anderen Thema, was weder mit Technik noch mit meinen Hobbys zu tun hat.
Vorab muss ich erwähnen, ich bin weder Arzt, noch Psychologe oder ein sonst Studierter, der ein tiefes Fachwissen hat. Die meisten Erkenntnisse stammen von mir selbst, aus Unterhaltungen mit anderen Betroffenen, aus Büchern und auch aus Gesprächen mit Therapeuten.

DEPRESSION
Was ist das eigentlich, wo kommt es her und wieso leidet man darunter und muss ich das überhaupt ernst nehmen, wenn ich nicht betroffen bin?
Um hierfür den Einstieg zu finden, nutze ich meine Überschrft, „Ist schwerer als es aussieht….“.

Oft sieht man es einer betroffenen Person nicht an, dass Sie (oder Er) unter einer Depression leidet. Es ist ja schließlich kein Schnupfen, Husten oder sonst eine Krankheit die man schwer verstecken kann und wenn man etwas bemerkt, dann tut man es meist damit ab, dass man die Person in eine Schublade mit der Aufschrift „Hat nie zu etwas Lust“, „Hat immer nur schlechte Laune“ oder „Es zieht mich zu weit nach Unten diese Person bei mir zu haben“, steckt.
Depressionen sind gemein, klein und fies. Und ich weiß nicht, ich würde sagen, es sind kleine pelzige Wesen, die einen versuchen, emotional den Tag zu versauen.
Mittlerweile gibt es eine Vielzahl an Namen für eine Depression. Ganz oft hört man auch in dem Zusammenhang „Burn out“. Im großen und ganzen sind das aber auch nur Depressionen die einfach einen anderen Ursprung haben.

Wie sieht der Tagesablauf eines normalen „gesunden“ (oh man, gibt es überhaupt wirklich noch gesunde Menschen? Menschen die psyschich absolut stabil sind?) Menschen aus?

Man wacht auf und streckt sich, steht auf, fühlt sich vermutlich zwar etwas verschlafen, aber fit. Duschen, anziehen, Frühstücken. Dabei das Radio einschalten. Und los geht´s. Der Tag verläuft normal, es gibt Höhen, es gibt Tiefen, aber im groben und ganzen, ganz ok. Man kommt Nachhause, isst etwas, trifft sich vielleicht mit Freunden, schaut sich einen guten Film an und irgendwann geht es dann ist Bett.
Dazwischen sind natürlich noch zahlreiche Gedanken geflossen, weswegen ich bewusst hinterfragt habe, ob es überhaupt noch psyschich stabile Menschen gibt. Aber im groben und ganzen, alles gut. Ein ganz normaler Tag eben.

Bei einem Menschen der unter einer Depression leidet, sieht das ganze etwas anders aus.
Man wacht morgens auf, man fühlt sich niedergeschlagen, die Augen sind schwer. Es fällt schwer richtig wach zu werden und das Bett scheint einen festzuhalten. Kaum werden die Gedanken wach, erwischt es einen schon. Dieses niedergeschlagene Gefühl. Man schaut zur Decke und fragt sich, was mache ich hier eigentlich. Ohne das man einen klaren Gedanken gefasst hat, scheint der Kopf schon sehr wohl voll dabei zu sein. Man kann sich kaum bewegen und jede Bewegung kostet unglaublich viel kraft. Da kommen sie wieder, diese Gedanken, „Elendes Leben, ich habe eigentlich wirklich keine Kraft mehr dafür, bin ich froh wenn das mal ein Ende hat“ – manche leben natürlich auch mit ihrem Partner zusammen und es könnte sich noch wie folgt entwickeln – „oh, mein Partner wird wach, ok. Zusammen reißen, tief ein und aus atmen, Lächeln aufsetzen, auch wenn einem nach heulen zumute wäre. Wieso? Keine Ahnung. Ist einfach so“. Ein freundliches „Guten Morgen Schatz“ und der Tag startet.
Jede Bewegung ein Kraftakt, jeder Gedanke nur schwer. Und man schlägt sich durch, ein aufgesetztes Lächeln hilft durch den Tag. In ruhigen Phasen kommt es schnell wieder, dieses Gefühl, heulen, schreien, fallen lassen. Wieso? Keine Ahnung. Der Wunsch das es vorbei ist wird immer größer. Kämpfen, für jedes Lächeln und an guten Tagen, da schafft man es sogar, die Kraft aufzubringen, gute Laune zu haben. Die Tage werden aber auch irgendwie weniger.
Nachhause, TV, Bett. Und sich immer fragen, wofür das ganze . . .

Das war nur ein kleiner Ausschnitt. Früher hätte man gesagt „reiß Dich zusammen“. Ja, leichter gesagt als getan. Heut zu Tage wird das immer schwerer sich zusammen zu reißen. Die Einflüsse von außen werden immer größer. Der Druck der derweil auf uns alle liegt, ist im Gegensatz zu damals (damals stufe ich mal zur Zeit um vielleicht 1950 ein, ein oder zwei Generationen vor mir) enorm gewachsen.

Was war damals anders als heute?
Zunächst einmal muss man klar sagen, es war sicher nicht einfacher gut über die Runden zu kommen. Die Erziehung war wesentlich geradlinieger als heute. Damals hat man eben auch mal eine Backpfeife (für die, die das nicht kennen, man sagt auch „Ohrfeige“) bekommen. Wenn man richtig was angestellt hat, da gab es auch mal den Hintern versohlt. So war das eben. Also hat man sich entweder nichts zu schulden kommen lassen, oder man hat es geschickt angestellt. Mode war schon immer ein Thema, aber Marken waren nicht so ausschlaggebend. Nach der Schule ging es raus, war doch das Größte! Fussball mit den Freunden oder Buden gebaut, im Sand gespielt oder sonst noch etwas getan. Wenn die Straßenlampen angingen, da ging es nachhause. Das war eben so. Bis zum Teenager alter war das vollkommen normal.
Wurde man älter, hat man sich für andere Sachen interessiert, hat sich mit Freunden getroffen geredet, gelacht, vielleicht auch etwas getrunken.
Irgendwann lernt man dann seinen Partner kennen, lernt ihn lieben, ehren. Man hat höhen, man hat Tiefen. Vollkommen normal. Aber man hält zusammen.

Die Schule ist vorbei eine gute Ausbildungsstelle ist gefunden, und wie man es von Zuhause beigebracht bekommen hat, zieht man das durch, man ist ja auch stolz darauf arbeiten zu können. Für gute Arbeit, gibt es schließlich gute Geld. Man heiratet (nicht erst mit 30, nein mit Anfang 20). Bis man 25 ist, hat man schon 2-3 Kinder, hat ein wunderbares geregeltes Leben. Es ist nicht leicht. Aber man hält zusammen.
Die Probleme einer Partnerschaft sind heute genau wie damals, die selben. Eifersucht, Geld, Sex, verliebt sein in jemand anderes, Streitigkeiten. Genau das selbe. ABER man hat zusammen gehalten. So war das eben. Wie in guten, so in schlechten Tagen. Nicht nur einfach daher gesagt, sondern von Grundauf so beigebracht. Ebenso wie: „Bis das der Tod uns scheidet“.

Und so geht ein Leben daher mal mehr mal weniger spannend, mal schwerer, mal leichter.

Heute aufwachsen ist viel schwerer. Oder doch viel einfacher?!
Ja, dass ist eine gute Frage. Heute haben Kinder viel mehr Rechte. Zum Glück. Aber das bedeutet auch eins, eine antiauthoritäre Erziehung ist heute schon fast Pflicht. Die Kinder wachsen sehr früh mit einem zu großem „Ich habe meinen Kopf“ auf. Früher hat man sich weniger Gedanken machen müssen. Was gesagt wurde, dass wurde gemacht. Heute, was oder wer will ein Kind schon daran Hindern Unsinn zu machen. Und wenn schon, bestrafen mit „Smartphoneabszinens“. Mal einen Klaps hat niemandem geschadet. Aber wenn das der Lehrer oder die Lehrerin hört, dann hat man gleich das Jugendamt vor der Türe stehen zwecks Kindesmisshandlung.
Gott bewahre, ich preise sicher keine Gewalt an Kindern an, lediglich verurteile ich, dass wir unseren Kindern zuviel die eigene Wahl lassen. Anstatt den Kindern in der Schule klar zu machen, dass sie mehr Rechte als Pflichten zu haben, sollte man sie für das Leben ausbilden. Und das bedeutet nunmal auch, dass zu machen, was man sagt.

Kennt ihr noch den Film „Die Lümmel von der ersten Bank“ oder „“Pepe der Paukerschreck“? Mit Oberstudienrat Taft und Pepe Nietnagel? Man waren das Filme, aber ein gutes Beispiel für das was ich meine. Die Jungs und Mädels haben viel Blödsinn gemacht, aber wenn sie erwischt wurden, dann haben sie es versucht mit Fassung zu tragen oder haben sich versucht geschickt aus der Nummer heruas zu ziehen.
Heute, welche Strafe gibt es da noch!?

Also erziehen wir unsere Kinder selbstständig, bringen ihnen früh bei alles selbst entscheiden zu können damit sie sich dann schon auf dem Schulhof gegenseitig aufstacheln. Und gnade einem Gott, wenn man nicht die neuste Hose, das neuste Shirt oder gar das beste Smartphone hat. Da fängt das Mobben nämlich schon an! Wir haben es geschafft, wir haben unseren Kindern unmissverständlich klar gemacht, sie sind Individuen und sie müssen besser sein als andere. Also unterstützen wir Eltern das doch klar darin, dass wir versuchen immer das neuste Smartphone parat zu haben oder schon die neusten Klamotten, damit das Kind bloß nicht gemobbt wird ODER ganz vorne mit dabei ist.
Und was schaffen wir dadurch, eine zwei Klassengesellschaft. Und das schon in der Grundschule!
In der weiterführenden Schule wird es nicht anders. Mitlerweile haben wir kleine Freigeister heran gezogen die dank unserer erfolgreichen antiauthoritären Erziehung selbst gelernt haben, was gut oder was schlecht ist. Ich bin ja auch dafür, dass man am besten Erfahrungen sammelt, in dem man sie selbst erlebt, aber ich bin schließlich ein Elternteil, ich denke, meinem Kind kann ich mit einem klaren „NEIN“ auch klar machen was das beste für es ist. Es muss sich doch gar nicht darum kümmern. Die einzige Sorge meines Kindes sollte sein, spiele ich heute Fussball oder gehe ich auf den Abenteuerspielplatz.

Etwas abgeschweift, worauf ich hinaus möchte ist, wir überladen unsere Kinder mit Möglichkeiten und drängen ihnen gleichzeitig den Druck auf, der imens beginnt zu wachsen. Man muss erfolgreich sein, immer mit vorne dabei. Die Werbung tut ihr übriges. Die Zeitungen sind voll voll Attentatsberichten, die TV Sender strahlen schon Mittags Werbung für Erotikshops aus, im TV kommen nur noch so genannte „Harz VI-Sendungen“. Hirnloses Fernsehen ohne Sinn und Verstand. Die Kindersendungen mit einem gewissen Anstand und Moral, die gibt es nicht mehr. Idole wie wir sie hatten, seien es Sänger oder Schauspieler, werden heute so schnell ersetzt, dass man ihnen kaum noch folgen kann.

Unsere Welt dreht sich um einiges schneller als damals, schlechte Dinge werden nur noch ersetzt anstatt repariert (seien es Beziehung, Gegenstände etc.), wie soll es da noch möglich sein, eine Basis aufzubauen, in der man sich wohl fühlt und ein Gefühl von Selbstzufriedenheit erlangen kann?
Man kommt nicht daran vorbei, dass einem an jeder Ecke klar gemacht wird, es geht  BESSER, SCHNELLER, SCHÖNER.

Ich plädiere dafür, wir sollten zu einem Grundgedanken zurück kommen, zufrieden sein, mit dem was man hat, reparieren wenn etwas kaputt ist und hergott, lasst unsere Kinder wieder im Dreck spielen!

Wie soll ein Gehirn da noch mitkommen…..